Atemgetriggerte Bestrahlung (Gating)

Die Behandlung bewegter Zielgebiete ist eine der großen Herausforderungen der modernen Strahlentherapie. Eine Möglichkeit besteht darin, die Bewegung der Behandlungsregion zu erfassen und die Strahlung nur freizugeben, wenn sich das Zielgebiet an einer vorberechneten Stelle befindet. Die Strahlung wird automatisch unterbrochen, sobald sich das Zielgebiet aus dem Strahl entfernt und gesundes Gewebe ins Strahlenfeld geführt wird. Man nennt dieses Prinzip auch „Gating“, was englisch für ein „Tor“ steht, welches sich öffnet und schließt, also Strahlung „durchlässt“ oder nicht.

In unserer Einrichtung verwenden wir zur Erfassung der Tumorbewegung einen optischen Oberflächen-Scanner der Firma C-RAD in Kombination mit einem modernen sogenannten 4D-CT Scanner (Firma Toshiba). Die Bewegung der Brustwand wird während des CT Scans kontinuierlich erfasst und kann im Anschluss zur Bewegung des zu bestrahlenden Gebietes korreliert werden.

Wir wenden die atemgetriggerte Bestrahlung aktuell als „Bestrahlung in tiefer Einatmung“ bei linksseitigem Mammakarzinom an (siehe unten); außerdem bei der Bestrahlung von Leber- und Lungenmetastasen abhängig vom klinischen Befund und dem entsprechenden Therapiekonzept.

Bestrahlung in tiefer Einatmung
(DIBH – englisch für „Deep Inspiration Breath Hold“)

Diese Technik kann insbesondere bei der Bestrahlung der linksseitigen Brust bzw. Brustwand angewendet werden, um die Dosisbelastung an den benachbarten Risikoorganen weiter abzusenken. Durch die natürliche Bewegung der Brustwand bei Einatmung vergrößert sich bei den meisten Patienten der Abstand zwischen Brustwand und Herz. Aufgrund des größeren Abstandes wird weniger Dosis im Herzen und insbesondere in bestimmten Bereichen der Koronargefäße (RIVA) appliziert. Eine große klinische Studie hat gezeigt, dass mit einer Verringerung der Dosis auch das Risiko einer Herzerkrankung als Spätfolge der Bestrahlung signifikant reduziert werden kann. Da diese Spätfolgen erst nach sehr langer Zeit auftreten können (im Bereich von ca. 20 Jahren) profitieren besonders jüngere Patienten (<60 Jahre) von dieser Technik. Ergänzt werden muss an dieser Stelle, dass das Risiko einer bestrahlungsbedingten Herzerkrankung generell sehr gering ist. Einzelheiten hierzu werden Ihnen im individuellen Aufnahmegespräch bei Ihrem Facharzt mitgeteilt.

Im nachfolgenden Bild sehen Sie, wie sich der Abstand zwischen Herz und Bestrahlungsregion bei tiefer Einatmung vergrößert. Auch der Anteil der bestrahlten Lunge nimmt bei tiefer Einatmung ab.

Gegenüberstellung des Effekts der Bestrahlung bei tiefer Einatmung
Links: Bestrahlung in normaler Atemlage – das Herz und insbesondere der sogenannte RIVA befinden sich in unmittelbarer Nähe der Bestrahlungsregion.
Rechts: Bestrahlung bei tiefer Einatmung – das Herz (und RIVA) liegen weit entfernt von der Bestrahlungsregion.

Nicht für alle Patienten ist eine Bestrahlung in tiefer Einatmung notwendig. In manchen Fällen liegt das Herz bereits bei Normalatmung weit genug vom Bestrahlungsgebiet entfernt, so dass bereits eine ausreichende Schonung gegeben ist. In diesen Fällen wird die Bestrahlung in Normalatmung durchgeführt, da die Bestrahlungssitzung weniger anstrengend ist und in kürzerer Zeit abläuft.

Welche der beiden Techniken für Sie günstiger ist, erfahren Sie zur ersten Bestrahlungssitzung nach erfolgter Bestrahlungsplanung.

Ablauf der Bestrahlung

Bitte schauen Sie sich unseren Film an, in welchem wir den groben Ablauf der Atemanhalte-Technik dargestellt haben. Nach Ihrem Aufnahmegespräch erhalten Sie den Termin für das CT zur Bestrahlungsplanung und eine Übungsanweisung für zu Hause. Sie können in Ruhe trainieren, wie lange Sie die Luft anhalten können, ohne sich zu überfordern. Bitte denken Sie immer daran, dass das Gerät auf Sie reagieren wird und die Strahlung in jedem Fall unterbricht, wenn Sie Luft holen müssen. Eine Zeitspanne von ca. 15 Sekunden angehaltenem Atem reicht vollkommen aus.
Über die Videobrille erhalten Sie Rückmeldung zu Ihrer eigenen Atmung und können die Einatmung während der Bestrahlung genau so dosieren, wie Sie dies am CT getan haben. Vor der Freigabe der Strahlung prüfen wir in jeder Sitzung durch Röntgenaufnahmen noch einmal, ob wirklich alles so positioniert ist, wie wir es berechnet und optimiert haben. Eine Bestrahlungssitzung erfordert zwischen 5 und 10 Phasen, in denen Sie die Luft anhalten.

Dieser Film zeigt den Ablauf der Atemanhalte-Technik am Planungs-CT und am Bestrahlungsgerät.
©2015 Praxis für Strahlentherapie